Programm

Das Programm wird sich auf zwei parallele Vortragstracks und Workshops verteilen.
Die Kurzbeschreibungen kommen hier nach und nach. Es kommt noch mehr also.


VORTRAG Embodied AI: Eine soziotechnische Perspektive auf den Designprozess der industriellen Mensch-Roboter-Interaktion
Jenny Huch, KUKA SE & Co. KGaA
Mit modernen Industrierobotern tritt Künstliche Intelligenz zunehmend als Embodied AI direkt in den sozialen Wirkungsraum des Menschen ein. Ein zukunftsfähiges Robotikdesign darf sich dabei nicht auf technische Effizienz allein beschränken, sondern muss das kollektive Wohlergehen unterschiedlicher Nutzergruppen systematisch berücksichtigen.
Am Beispiel des Fehlermanagements bei Industrierobotern zeigt dieser Vortrag, wie KI als soziale Entität agieren kann, um Mensch‑Roboter‑Interaktionen nachhaltig und nutzerzentriert zu gestalten. Mit zusätzlichem Blick auf multimodale Kommunikationsschnittstellen wird veranschaulicht, wie Vertrauen, Unterstützung und Flexibilität in der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Roboter langfristig gefördert werden können.
Durch eine explizit soziologische Perspektive erweitert der Beitrag klassische technikzentrierte Entwicklungsansätze und adressiert die komplexen soziotechnischen Wechselwirkungen industrieller KI‑Systeme mit dem Ziel eines ganzheitlichen und horizontalen Gestaltungsprozesses.

VORTRAG Is Bad Research Better Than No Research?
Dr. Jens Mühlstedt, Lobster DATA GmbH
By presenting several research project examples, the talk explores the line lies between useful lightweight research and wasted effort, comparing formal UX research, guerrilla research, and AI-supported research. Practical methods and „hygienic“ basics will be highlighted like having a clear research question and choosing the right method. The core message is that even small, fast, imperfect research can create valuable insights, reduce stakeholder bias, and improve decision-making – especially when supported by AI and embedded across the organization.

WORKSHOP Win Stakeholders in the AI Era
Oliver Heigl, NU-UX
Shipping products and features has never been faster—but winning alignment has never been harder. In the AI era, more people can generate „design-like“ outputs, ideas multiply at machine speed, and stakeholder pressure rises. The result: more opinion, more noise, more urgency.
This breakout session is built for senior designers and UX leads who need influence, not just good solutions. Together we’ll work through three familiar stakeholder scenarios—the Ghost Designer, The Artificially Intelligent, and The Impatient Pusher—and uncover what actually works when you have to protect UX quality while still delivering business impact.
Instead of theory, you’ll leave with a set of practical, field-tested approaches from experienced practitioners: how to reframe conversations, reduce unproductive debate, regain time and focus, and steer decisions back to real users and outcomes.
Expect an interactive, hands-on format: small groups pick a scenario they’ve lived through, discuss what worked in the real world, and capture one proven method. You’ll walk away with ideas you can apply in your very next stakeholder situation.

VORTRAG Accessibility out of the Box? Warum digitale Barrierefreiheit auch mit KI kein Selbstläufer ist
Chiara Aron, adesso SE
KI erstellt Texte, Code und Designs in Sekunden. Immer mehr Tools versprechen, digitale Barrierefreiheit automatisiert sicherzustellen oder bestehende Barrieren zu beseitigen. Doch wie barrierefrei sind diese Lösungen tatsächlich?

Der Vortrag beleuchtet anhand konkreter Beispiele die Chancen und Grenzen von KI im Kontext digitaler Barrierefreiheit. Er zeigt, warum KI-generierte Ergebnisse nicht automatisch barrierefrei sind, welche Risiken durch ungeprüfte Empfehlungen entstehen und weshalb menschliche Expertise weiterhin unverzichtbar bleibt.

Denn Barrierefreiheit ist auch im KI-Zeitalter kein Selbstläufer. Sie entsteht nicht allein durch Technologie, sondern durch Verantwortung, fundierte Entscheidungen, kritische Prüfung und einen Human-in-the-Loop-Ansatz.

„Nothing about us without us“: Menschen mit Behinderungen müssen aktiv in Entwicklungsprozesse eingebunden werden, damit relevante, innovative und barrierefreie Produkte und Services entstehen.

VORTRAG Hört auf, jedem KI-Trend hinterherzulaufen
Ein Framework für verantwortungsvolle UX Forschung

Marie Vollmer, SKOPOS NOVA GmbH
Wer kennt es nicht: Ständig gibt es neue KI-Trends, und wer versucht, alle zu recherchieren und auszuprobieren, kommt kaum hinterher. Dabei stellen wir uns viel zu selten die eigentlich wichtige Frage: Sollte diese Aufgabe überhaupt von KI übernommen werden?
Wer sich diese Frage im UX Research nicht stellt, läuft schnell in bekannte Fallstricke: Plausibel klingende KI-Ergebnisse werden nur oberflächlich abgenickt, statt wirklich geprüft. UX Professionals verlieren den Überblick über ihre eigenen Forschungsergebnisse. Und wenn KI anhand von KI-generierten Hypothesen KI-generierte Nutzer befragt, wer kann für diese Forschungsergebnisse dann noch die Verantwortung übernehmen?
Dieser Talk zeigt anhand eines Entscheidungsframeworks, wie sich diese Fallstricke systematisch vermeiden lassen, und skizziert, wie der UX Research Prozess von morgen im KI-Zeitalter zukunftsfähig und verantwortungsbewusst aussehen kann.

WORKSHOP Wie viel Intelligenz braucht ein Gerät, dem ich vertrauen kann?
Jan Syring, Inhaber SYRING DESIGNSTUDIO
2019 war Datenschutz das Hindernis, ein Fahrzeug seine Insassen erkennen zu lassen. Mit KI wird Erkennung möglich, und die Frage kehrt sich um: Wann wird aus einer Vermutung des Systems eine vermeintliche Erlaubnis? Im Workshop übertragen wir das auf den Haushalt. Ein lernender Haushaltsroboter lebt im Alltag einer Familie, ihrer Gäste und eines Pflegebedürftigen mit Pflegekraft. In fünf Rollen entscheiden die Teilnehmenden anhand einer Erkennungsleiter, wie viel Erkennung akzeptabel ist, und prüfen sie mit vier Kriterien: Verständlichkeit, Vorhersehbarkeit, Selbstbestimmung und begründetes Vertrauen, auch mit Blick auf Nachhaltigkeit. Ergebnis sind gemeinsam erarbeitete Prüffragen für eigene Konzepte. Das Szenario ist ein Gedankenexperiment, keine Studie.

WORKSHOP Utopie & Dystopie
Sandra Bossenmaier, David Weiss, Consulteer
Wir wollen einen Workshop halten, in dem wir mit den Teilnehmenden gemeinsam unsere Köpfe rauchen lassen! Dabei teilen wir die Freiwilligen in Gruppen ein, die entweder eine Utopie oder eine Dystopie beschreiben, besonders durch Weiterentwicklung von KI; Wie sieht unsere Welt in 50 Jahren aus und wie wirken sich die Veränderungen auf den Beruf des Designersaus, bzw. welche Wirkung können wir erzielen? 

Hiermit sollen Hoffnungen, Wünsche und Ängste herausgearbeitet und im Anschluss besprochen werden. Es soll die Teilnehmenden aus der Rolle der Zuhörenden in die Rolle der Träumenden bringen. 

Alle Gruppen sollen ihre Visionen vortragen, woraufhin eine Diskussion folgt. 

Abschließend wollen wir darüber sprechen/Tipps weitergeben, welche Maßnahmen im Kleinen schon jetzt getroffen werden können, um eine langfristig positive Entwicklung der Technologie zu unterstützen und optimistisch abzuschließen.

VORTRAG Designmuster für ethische KI – zwischen Mensch und Maschine
Maryna Zabigailo, Siemens AG
Gestalten wir Designmuster noch für die Expertinnen und Experten, die unsere Produkte nutzen oder gestalten wir längst für KI? Was sind die tatsächlichen Bedürfnisse von Designern, Entwicklern und Nutzern und passen sie noch zu dem, was KI an die Oberfläche bringt? Vier ethische Prinzipien ziehen sich durch den Vortrag: ökologische, ökonomische, datenbezogene und menschliche Perspektiven. Für jedes nehmen wir vertraute Designmuster in den Blick und fragen: Was lässt sich heute tun, um Mensch und KI in ihrem Zusammenspiel zu unterstützen? Für alle, die Designmuster pflegen, ein Design‑System mitgestalten oder mit KI gemeinsam arbeiten, bietet der Vortrag einen Ausgangspunkt für die Musterkatalog‑Arbeit, die vor uns liegt. Zusammen wollen wir herausfinden, wie die Zukunft der Gestaltung aussehen kann.

VORTRAG Who Did That? Making AI Work Accountable in Medical UX Research
Annika Schnabel
When we use AI in research, most of what it does stays invisible. We get an output, but we can’t see how it got there: which data it relied on, what it left out, where it filled gaps with guesses. In medical UX research, where findings feed into risk analysis and regulatory documentation, someone has to be able to answer for every conclusion, and „the AI said so“ isn’t an answer. Here, traceability is what makes ethical use of AI possible in the first place.
 
My approach is to stop treating AI as one big conversation and break the work into small, deliberate steps, each of which leaves something behind that a researcher can check. Parsing scripts structure the raw data before the model sees it. A project holds the shared context, so it doesn’t have to be pasted in repeatedly. Each step runs on the smallest model that can do it reliably and produces a visible artifact, such as an evidence table, a reference back to the raw data or a list of flagged assumptions. Following these artifacts, you can reconstruct how every finding came about. And because each step is small and lean, the whole workflow uses a fraction of the tokens, and with them the energy, of an open-ended chat. Accountability and lower resource use come from the same design decision.
 
I’ll walk through this with examples from medical UX research, such as analyzing usability test observations and coding interview data, and share prompt patterns participants can reuse. The second half is open Q&A, so bring your own use cases and questions.

VORTRAG From Intent to Impact:
Warum gute Arbeit mit KI vor dem ersten Prompt beginnt.

Stefanie Müller
Eine Designaufgabe, zwei Gruppen, ein Experiment: Eine Gruppe nutzt KI zur Lösung der Aufgabe, eine Gruppe verzichtet komplett darauf. Was verändert sich, wenn KI mit am Tisch sitzt?

Im Workshop „Stop Prompting, Start Thinking“ am Tag der KI in Regensburg haben wir genau das ausprobiert. Der Impulsvortrag erzählt, wie das Experiment aufgebaut war, wie die Gruppen gearbeitet haben und welche Leitlinien wir daraus für die Arbeit mit KI abgeleitet haben.
Am Ende steht eine Erkenntnis über die Reihenfolge: erst die Intention, dann der Prompt. Wer vorher weiß, was ein gutes Ergebnis ausmacht, kann gezielt fragen, Ergebnisse prüfen und Verantwortung dafür übernehmen. Wer es nicht weiß, überlässt der KI die Richtung und investiert Zeit und Ressourcen in Antworten, die am eigentlichen Ziel vorbeigehen. Ein Plädoyer dafür, das eigene Wissen und die eigenen Fähigkeiten weiter auszubauen, denn daraus entsteht Intention.

VORTRAG Interfaces of Tomorrow
Filippos Petridis, Siemens AG
When thinking about a future where intelligent systems are both powerful and widespread, we need to rethink how we deliver value though software applications. Lets reimage the future of app as we know them: What if we transcend from static apps, deterministic interactions and traditional buttons, into new paradigms where intent, context, and services shape user experiences. In contrasts to today’s interactions, characterized by knowing app navigations and action based interactions (clicks and swipes), the future can be much more adaptive, agentive, and deeply contextual. AI capabilities are staring to shape experiences and reshaping how users engage with digital systems, shifting to dynamic experience with intelligent agents. Ultimately, the talk challenges the notion of classic interface design, proposing to think on cultivating relationships between humans and systems and rethink the role of brands in the future.

VORTRAG Vom Hollywood-Streik zum EU AI Act: Regieanweisungen für ethische KI
Orkan Dolay, BilendiUX
Wir erinnern uns an den Streik in Hollywood: Autoren und Schauspieler (WGA/SAG-AFTRA) streikten nicht aus Protest gegen Technologie, sondern für menschliche Würde, Einverständnis (Consent) und die Bewahrung echter Emotionen gegenüber reiner algorithmischer Effizienz. Genau dieselbe Dynamik erleben wir heute in der UX-, Markt- und Meinungsforschung sowie in vielen anderen Bereichen.

Dieser Beitrag beleuchtet, wie wir bei Bilendi menschliche Empathie und Rechte berücksichtigen, während wir unsere Technologie- und KI-Lösungen für Forschende konzipieren.

Wir gehen hierbei auch auf den EU AI Act ein, den weltweit ersten umfassenden Rechtsrahmen für KI. Basierend auf einem risikobasierten Modell fordert er strikte Transparenz, solide Data Governance, Bias-Minimierung und menschliche Kontrolle („Human-in-the-Loop“). Wir zeigen, wie wir diese Regulierungsvorgaben sowie weitere Standesrichtlinien bei Bilendi in konkretes UX-Design und KI- sowie Softwarearchitektur übersetzen.

Ethik erfordert jedoch aktiven Dialog: Während der Präsentation laden wir Sie zu einer kurzen Conversational Survey zu Ihren persönlichen Ängsten, Prinzipien, Zweifeln und Wünschen bezüglich KI ein. Wir greifen ausgewählte Perspektiven direkt auf der Bühne auf und senden Ihnen die vollständige Analyse nach dem Event zu.


 

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